Ein Bildhauer unter den Lackkünstlern |
9. Oktober 2011 bis 22. Januar 2012

Kuroda Tatsuaki

Mit „Kuroda Tatsuaki – ein Bildhauer unter den Lackkünstlern“ setzte das Museum für Lackkunst seine 2008 aufgenommene Serie monographischer Ausstellungen fort, die es herausragenden japanischen Lackkünstlern des 20. Jahrhunderts widmet. Diese in ihrer Art und Intention noch nicht dagewesene Reihe setzt sich zum Ziel, die Aufmerksamkeit des kunstinteressierten Publikums wie der einschlägigen Fachwissenschaft auf die jüngst vergangene Epoche der japanischen Lackkunst zu lenken. 

In dem überaus vielfältigen Bild, das die japanische Lackkunst des 20. Jahrhunderts bietet, steht das Werk Kuroda Tatsuakis wie ein aus Holz geschlagener Fels. Seinen Arbeiten ist – selbst im kleinsten Format – eine starke, raumgreifende Präsenz eigen. Diese rührt daher, dass Kuroda zuerst und grundsätzlich ein Holzwerker und Holzbildhauer war. Meisterhaft verstand er zu schnitzen, meisterhaft das Holz, seinen Werkstoff, in dessen jeweils individueller Beschaffenheit aufleben zu lassen. Sein genialer Umgang mit dem Werkstoff Holz trug ihm denn auch – als erstem auf diesem Gebiet – 1970 den Ehrentitel eines ningen kokuhō, eines „Lebenden Nationalschatzes“, ein.

Kuroda (1904–1982), der dem Milieu der Kiotoer Lackhandwerker entstammte und sein ganzes Leben in Kioto verbrachte, war beim Lack nicht weniger in seinem Element. So brachte er, ohne zwischen Lack- und Holzhandwerk zu unterscheiden, die Schönheit der jeweiligen Holzmaserung erst durch das mit Finesse angewandte Verfahren der Klarlackpolitur voll zur Entfaltung. Auch das raden, die Ein- und Auflage von Perlmutter, wusste er zu bislang nicht gekannter Wirkung einzusetzen. Vor allem in seinen ganzflächigen Auflagen aus blau-grün schillerndem oder weißlich schimmerndem Perlmutter zeigt er sich von koreanischen Vorbildern inspiriert, die er seit den dreißiger Jahren intensiv studierte. In dieser Hinwendung zur koreanischen Kultur befand er sich in Gesellschaft anderer wegweisender Anhänger der Volkskunstbewegung Mingei, die sich zu einer großen Strömung im japanischen Kunsthandwerk entwickelt hatte. In seinen monochrom rot gefassten Objekten von dynamischer, raumgreifender Spiralform verbinden sich bildhauerische Kraft und subtile Oberflächenbehandlung zu sinnlich-schönen Lackarbeiten von skulpturalem Charakter.

In der japanischen Lackkunst des 20. Jahrhunderts, die von historischen Brüchen ebenso gezeichnet war wie von internen Grabenkämpfen zwischen der Tradition verpflichteten Bewahrern der Technik und sich frei entfaltenden Individualisten, hat Kuroda es verstanden, mit technisch meisterhaften Werken seinen individuellen Weg zu gehen. Die hohe Anerkennung, die ihm schon zu Lebzeiten zuteil wurde, trug ihm Aufträge des Kaiserhauses, des Filmregisseurs Kurosawa Akira, des Schriftstellers Kawabata Yasunari und anderer Größen der damaligen kulturellen Elite Japans ein.

Die Ausstellung, die bedeutende Arbeiten aus dem Besitz Kurosawas und Kawabatas einschließt, wurde ausschließlich mit Exponaten aus Japan bestückt: Leihgaben aus fünf Museen, darunter die beiden Nationalmuseen für moderne Kunst in Tokio und Kioto, der Kawabata Foundation sowie aus dreizehn weiteren privaten Sammlungen. Sie ist Teil des offiziellen Programms des Deutsch-Japanischen Jahrs 2011.


 
  Impressionen der Sonderausstellung


 
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