Die japanischen Lackmöbel der Staatlichen Münzsammlung München | 22. Mai bis 21. August 2011

Japanische Lackkunst für Bayerns Fürsten

Mehrere, schon kurz vor 1700 von Kurfürst Max Emanuel von Bayern erworbene japanische Lackkabinette bildeten den Auftakt einer Sammeltätigkeit, die aus der Vorliebe des europäischen Adels für erlesene Kostbarkeiten aus Ostasien hervorgegangen war. Neben  chinesischem Porzellan zählten hierzu vor allem japanische Lackarbeiten, die von niederländischen Händlern nach Europa eingeführt wurden. Der unter den pfälzischen Wittelsbachern erweiterte Bestand an Lackschränken sollte von 1781 an der Aufbewahrung von Münzen und Medaillen dienen. Mit seinen heute noch 22 Möbeln stellt er ein historisch bedeutendes Ensemble dar. Das Jahr 2011, in dem sich der Abschluss des ersten
Freundschafts-, Handels-, und Schifffahrtsvertrags vom 24. Januar 1861 zwischen Japan und dem Königreich Preußen zum 150. Mal jährt, bietet den aktuellen Anlass, diese kostbaren und einzigartigen Lackmöbel in einer Sonderausstellung zu präsentieren.

Die im 13. und 14. Jahrhundert vereinzelt über die Seidenstraße nach Europa gelangten chinesischen Porzellane hatten aufgrund ihrer Fremdartigkeit für Erstaunen und Bewunderung gesorgt. Sie stellten die ersten Raritäten dar, die den europäischen Residenzen exotischen Charme verliehen und schmückten fortan die Kunstkammern und Prunkkabinette der Fürsten.

Die Lackkunst, basierend auf dem Saft des ostasiatischen Lackbaumes (lat. Rhus verniciflua), war bereits in prähistorischer Zeit von China nach Japan gelangt. Im Laufe der Jahrhunderte hatte der Werkstoff Lack Menschen in Ostasien zu unterschiedlichen kunsthandwerklichen Bearbeitungstechniken inspiriert. Den japanischen Lackkünstlern gelang es im 17. Jahrhundert besonders prachtvolle Kunstwerke von beispielloser Schönheit anzufertigen. Mit meisterhaftem Geschick schufen sie mit Goldstaub unterschiedlicher Farbe und Körnung, der auf den noch feuchten, tiefschwarzen Lackgrund gestreut wurde, Tiere, Pflanzen und sogar ganze Landschaften. Es entstanden Bilder, die den Betrachter durch ihre Poesie, die effektvolle Kombination von Goldpigmenten und -flocken vor dem schwarzen Hintergrund und ihre makellos glänzenden Oberflächen in einzigartiger Weise faszinierten. Die Sammelleidenschaft aristokratischer Sammler in Europa wurde somit erneut geweckt, als im 16. Jahrhundert der fernöstliche Seehandel zunächst unter den Portugiesen begann und später unter den Holländern fortgesetzt wurde und neben größeren Lieferungen an Porzellan nun auch chinesische und japanische Lackarbeiten nach monatelanger Überfahrt europäische Häfen erreichten. Die Nachfrage nach diesen Raritäten und der Wunsch, sie zu besitzen, stieg schnell, so dass geschäftstüchtige europäische Händler begannen, Auftragsarbeiten in Japan anfertigen zu lassen, die sie in der Heimat gewinnbringend veräußern konnten.

Die meisten japanischen Lackarbeiten erwarb vermutlich der kunstaffine Wittelsbacher Kurfürst Max Emanuel von Bayern (1679-1726). Bereits in den 1690er Jahren bezog er die ersten Lackmöbel von einem Händler aus Paris. Kurfürst Max Emanuel ließ die Lackkabinette auf vergoldeten Untergestellen befestigen, um in ihrem Inneren als eine weitere ostasiatische Kostbarkeit chinesisches Porzellan zu präsentieren. Im 17. und 18. Jahrhundert erreichte die Mode der Chinoiserie in Europa ihren Höhepunkt, und die fernöstlichen Luxusartikel zählten zu den erlesensten Schätzen, die der Adel jener Zeit sein Eigen nennen und zu Repräsentationszwecken verwenden konnte.

Als mit Karl Theodor ein Wittelsbacher der Pfälzer Linie die Kurfürstenwürde erlangte, wurden die Kabinettschränke einem neuen Verwendungszweck zugeführt und dienten fortan der Aufbewahrung  kostbarer Münzen und Gemmen.

In den folgenden Generationen wurde diese Sammelleidenschaft fortgeführt, so dass der Bestand an Lackmöbeln im Laufe der  Jahre zunahm, bis um 1800 alle Lackschränke in die königliche Münzsammlung überführt wurden. Dort fanden sie bis ins 20. Jahrhundert zur Aufbewahrung von Münzen Verwendung.

Die Staatliche Münzsammlung München besitzt heute mit insgesamt 21 japanischen Lackkabinetten eine der größten und schönsten Sammlungen derartiger Möbel in Europa.


 
  Impressionen der Sonderausstellung


 
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