Die Geschichte
des Museums für Lackkunst

Die Entstehungsgeschichte des Museums für Lackkunst in Münster ist auf eine Reihe glücklicher Umstände und insbesondere auf zwei passionierte Sammler zurückzuführen: Dr. Erich Zschocke und Dr. Kurt Herberts.

Zunächst eher zufällig, später dann immer systematischer erschlossen beide Sammler über Jahrzehnte wesentliche Elemente der Lackkunst aus aller Welt. Sie sammelten Stück für Stück: handverlesene und kostbare Raritäten aus den Ländern und Kulturen Ostasiens, Europas und des Islam. Aus der zunächst bestehenden Liebhaberei entwickelte sich bald eine Leidenschaft, aus Stilgefühl und gutem Geschmack wurde bald fundierte Kennerschaft.

Dr. Erich Zschocke (1901–1978) hatte Mitte der zwanziger Jahre eine führende Position im Familienunternehmen seines Freundes Hans Herbig, der Kölner Lackfabrik Herbig-Haarhaus, übernommen. Zschocke, Ästhet und feinsinniger Kunstliebhaber, der selbst alte Porzellane sammelte, nahm sich in den dreißiger Jahren der bereits im Besitz des Unternehmens befindlichen Lackkunst an und baute diese durch systematische Ankäufe zu einer stattlichen Sammlung aus. Die rechtzeitig an verschiedene Standorte ausgelagerten Bestände überstanden den Zweiten Weltkrieg weitgehend unbeschadet. In den fünfziger Jahren wurde, durch weitere Zukäufe ergänzt und bereichert, am Kölner Firmensitz das „Herbig-Haarhaus-Lackmuseum“ eröffnet, das außer europäischer und ostasiatischer Lackkunst auch Objekte aus dem islamischen wie dem südamerikanischen Kulturkreis präsentierte. Viele der Stücke wurden in zwei von Zschocke initiierten Standardwerken zur Lackkunst erstmalig publiziert.

In Wuppertal begann der Unternehmer Dr. Kurt Herberts (1901–1989) in den dreißiger Jahren damit, historische Lackkunst-Objekte zu sammeln. Sein Bestand wurde allerdings bis auf wenige Ausnahmen durch die Bombenangriffe des Zweiten Weltkrieges zerstört. Dadurch nicht entmutigt, begann Herberts nach Ende des Krieges mit dem systematischen Neuaufbau seiner Sammlung.

1968 akquirierte die BASF Farben + Fasern AG (heute BASF Coatings) die Kölner Lackfabrik Herbig-Haarhaus. Damit ging auch die unternehmenseigene Lackkunst-Sammlung in den Besitz der BASF über.

Im Jahre 1982 bot sich der BASF die Chance, auch die Lackkunst-Sammlung aus dem Privatbesitz von Dr. Kurt Herberts zu übernehmen. Dieser Erwerb bedeutete eine wertvolle Ergänzung des bereits vorhandenen Bestandes der Herbig-Haarhaus-Sammlung.

Mit der Verschmelzung der beiden Sammlungen durfte die BASF nun über 2000 Lackkunst-Objekte ihr Eigen nennen und hegte den Wunsch, diese der Öffentlichkeit dauerhaft an einem Ort zugänglich zu machen. Als 1992 das Stadtmuseum aus der klassizistischen Villa an der Windthorststraße in Münster auszog, gelang es der damaligen Geschäftsführung durch vereintes Engagement mit weiteren Förderern, dem Museum für Lackkunst erstmalig an diesem Ort ein Zuhause zu geben.

Das Museum für Lackkunst bezog sein neues Quartier in dem 1911 fertig gestellten Stadtpalais im Herzen der Innenstadt und wurde 1993 feierlich eröffnet.

Heute besuchen jährlich viele Gäste aus aller Welt das Museum, das eine weltweit einzigartige Sammlung von Lackkunst aus Ost- und Südostasien, Europa und der islamischen Welt mit Objekten aus über zwei Jahrtausenden beherbergt und zu dessen Bestand darüber hinaus eine etwa 4500 Bücher umfassende Bibliothek gehört. Hier finden sich ausgewählte Werke zur Lackkunst, darunter auch Raritäten in chinesischer und japanischer Sprache sowie historische Bücher zur europäischen Lackkunst und ihren Rezepturen seit dem 17. Jahrhundert