Das Prinzip Monochrom: Museum für Lackkunst kontrastiert moderne Bilder von Günter Umberg mit Jahrtausende alten Lacken | 18. Januar bis 08. März 2009

Gegenwart trifft Vergangenheit

Was geschieht, wenn Gegenwart auf Vergangenheit trifft? Oder, um es genau zu sagen: wenn zeitgenössische Werke, wie die des Kölner Künstlers Günter Umberg, Jahrhunderte alten Lack-Objekten begegnen? Wie verändert Vergangenheit die Gegenwart? Und welches Licht wirft die Tradition auf Werke der Moderne?

Die neue Ausstellung im Museum für Lackkunst, die vom 18. Januar bis zum 8. März zu sehen ist, trägt den Titel „Prinzip Monochrom: Günter Umberg im Museum für Lackkunst“. Monochrome, also einfarbige Arbeiten, prägen die westliche Kunstwelt seit den Anfängen des 20. Jahrhunderts. Das berühmteste Beispiel ist das „Schwarze Quadrat auf weißem Grund“ von Kasimir Malewitsch aus dem Jahr 1913. Seit den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts beschäftigt sich auch Günter Umberg mit dem Thema Monochromie. In der Ausstellung im Museum für Lackkunst fungiert er nicht nur als Maler, sondern zugleich als Kurator. Denn er setzt sieben seiner eigenen, monochrom schwarzen Bildtafeln in einen spannungsreichen Dialog mit vier chinesischen monochromen Objekten aus dem Bestand des Museums für Lackkunst. Drei davon stammen aus dem 10. bis 13. Jahrhundert, darunter auch ein jüngst erworbener, und nun zum ersten Mal präsentierter Teller in Form einer gefüllten Chrysantheme; das vierte Objekt ist ein Han-zeitliches Gefäß aus dem 1. vorchristlichen Jahrtausend. Aus dieser Gegenüberstellung von Jahrhunderte bzw. Jahrtausende alten und modernen monochromen Arbeiten gewinnt die Schau im Museum für Lackkunst ihr Profil. „Mit dieser Ausstellung betreten wir Neuland“, so Museumsdirektorin Dr. Monika Kopplin. „Günter Umberg stellt für unsere Räume eigens ausgewählte, auf sie Bezug nehmende und auf unsere Lacke antwortende Bilder aus.“

Von Anfang an ging es den Ausstellungsmachern auch darum, eine bislang wenig beachtete Gruppe von Lackobjekten in den Fokus zu rücken. Denn dass monochrome Lacke und Keramiken in China bereits vor rund 1.000 Jahren das ästhetische Empfinden prägten, ist in der westlichen Welt kaum bekannt. „Das Monochrom als eine durch die Abwesenheit von bunter Farbe gekennzeichnete Malerei hat sich in der im 10. Jahrhundert aufkommenden reinen Landschaftsdarstellung zu einem erstaunlich frühen Zeitpunkt artikuliert“, erläutert Monika Kopplin. Monochrome Glasuren bzw. Lackfassungen und allegorisch behaftete Blütenformen sind sowohl für die Keramik als auch für die zeitgleich entstandenen Lacke charakteristisch. Das Farbspektrum bei den Lacken beschränkt sich allerdings materialbedingt im wesentlichen auf Schwarz und Rot. Nicht selten wird jedoch das Monochrom zweifarbig aufgebaut, eine rote Lackfassung mit Schwarzlack hinterfangen oder ein monochrom schwarzer Lack mit rotem unterlegt.

Wie sehr sich die Werkstoffe Lack und Keramik gegenseitig beeinflussen, wird besonders in der Teezeremonie deutlich, die in China zu dieser Zeit den Rang einer Kunstform besaß. Deshalb verwundert es nicht, dass eigens für diese Zeremonie eine Vielzahl an Gefäßen geschaffen wurde. Das Besondere dabei: Die Wahl einer Teetasse richtete sich in ihrer Farbe nach der Tönung des schaumig geschlagenen Tees. „Wenn zum Beispiel weißer Tee getrunken wurde, dann wurde er in einer schwarzen Teeschale serviert“, so die Museumsdirektorin. Diese erlesenen, monochromen Objekte stellte man damals vor allem für die chinesischen Beamtengelehrten her. „Sie waren ausgesprochen kultiviert und kunstsinnig. Viele Dichter und Maler kamen aus ihren Reihen“, führt Monika Kopplin aus.

Dass die neue Präsentation aus der Gegenüberstellung von Tradition und Moderne ihren besonderen Reiz bezieht, macht auch Günter Umberg in seiner Funktion als Kurator deutlich: „Im Dialog mit den chinesischen Lacken versuche ich einen Spannungsbogen zu schaffen, der über das Wahrnehmen des Einzelwerks hinausgeht sowie neue Fragen aufwirft und neue Anknüpfungspunkte herausarbeitet. Das Museum hat eine signifikante Raumfolge, bei der ich Entscheidungen treffe, so dass Raum, Malerei, Lackobjekte und Betrachter in einen Dialog treten können.“

Begleitend zur Ausstellung präsentiert das Museum für Lackkunst zwei neue Publikationen: Der Katalog mit dem Titel „Prinzip Monochrom: Günter Umberg im Museum für Lackkunst“ gibt Einblick in das künstlerische Schaffen des Kölner Künstlers und seine im Museum für Lackkunst ausgestellten Werke. Die auf deutsch und englisch erschienene Buchpublikation mit dem Titel „Prinzip Monochrom: Lack und Keramik der Song- und Qing-Zeit“ ist Ergebnis intensiver Forschungsarbeit. Diese vom Museum für Lackkunst und der Fondation Baur in Genf gemeinsam ermöglichte Veröffentlichung erhellt das Phänomen monochromer Gestaltung im China der Song-Zeit vor seinem gesellschaftlichen Hintergrund und thematisiert auch die Einflüsse der Teekultur.


 
  Impressionen der Sonderausstellung


 
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