Islamische Lackkunst in deutschen Museen
und Bibliotheken | 22. März bis 21. Juni 2009

Aus 1001 Nacht

Erstmalig wird im Rahmen dieser Ausstellung eine so noch nie zuvor präsentierte Auswahl an Exponaten aus dem islamischen Kulturkreis, die bedeutendsten ihrer Gattung, zu einem repräsentativen Überblick zusammengefasst. Da alle Kunstwerke aus dem Besitz deutscher Museen und Bibliotheken rekrutiert wurden, wird diese Ausstellung zugleich zu einer Bestandsaufnahme islamischer Lackkunst in Deutschland.

Diverse namhafte Leihgeber, zu denen sechzehn deutsche Museen sowie drei Bibliotheken zählen, haben mit hochrangigen Exponaten zur Verwirklichung und zum Rang der Ausstellung beigetragen. Die im Museum für Lackkunst beheimatete permanente Sammlung des Hauses leistet ebenfalls einen beträchtlichen Beitrag zur Vervollständigung des bemerkenswerten Spektrums islamischer Kunst. 

Die Ausstellung spannt einen zeitlichen Bogen vom 15. bis in das frühe 20. Jahrhundert. Zu den frühesten Exponaten der Ausstellung zählt ein kostbarer Bucheinband aus dem Besitz des Museums für Islamische Kunst Berlin, der in das ausgehende 15. Jahrhundert datiert wird.

Im Gegensatz zu der aus Ostasien stammenden Lackkunst basiert die künstlerische Gestaltung der islamischen Kunstwerke nicht auf dem Werkstoff Lack. Lack wurde im islamischen Kulturraum seit Jahrhunderten als Überzug für Arbeiten aus Holz, Leder und Papiermaché eingesetzt. Als wasserresistenter Film schützte er die in empfindlicher Aquarell- und Gouachemalerei sowie die in kostbarem Gold aufgebrachten Dekore. Indem er ihnen zugleich Glanz und Glätte verlieh und die Leuchtkraft der Farben erhöhte, trug er gleichzeitig wesentlich zur Ästhetik und Schönheit der Objekte bei.

Ursprung dieses Kunstzweigs, der sich vor allem in Persien, in Kaschmir und Nordindien, aber auch im Osmanischen Reich entfaltet hat,  war die an den persischen Höfen blühende Buchkunst, die seit dem 15. Jahrhundert mit Lack verzierte Bucheinbände einschloss. Stilelemente und Einflüsse der europäischen Kunst lassen sich in der islamischen Kunst bereits seit dem 16. Jahrhundert nachweisen. Sie sind auf intensive Handelsbeziehungen, aber auch auf die Impulse Reisender und christlicher Missionare zurückzuführen. So, wie Kunst und Literatur des Orients eine geheimnisvolle und andersartige Welt für Europäer darstellten, übte Europa eine große Faszination auf die asiatischen Kulturen aus.

Die auf Islamische Kunstgeschichte spezialisierte Ausstellungs-kuratorin Dr. Reingard Neumann beschreibt eines der zentralen und zweifelsohne poetischsten Motive der persischen Lackmalerei wie folgt: „Rose und Nachtigall, persisch gul-u-bulbul, sind seit Jahrhunderten vor allem im iranischen Raum Synonym für die wahre uneigennützige Liebe. Der Tag geht zu Ende, und die in die Rose verliebte Nachtigall sieht, wie ihre Geliebte zusehends erbleicht und dahinzuwelken beginnt. Um ihren Tod zu verhindern, bietet die Nachtigall der Rose an, einen ihrer Dornen in ihre Brust zu stechen, so daß sie durch das Blut der Nachtigall wieder zu Kräften kommen könne. Die Nachtigall begleitet diesen für sie zugleich schmerzhaften wie lustvollen Prozeß die ganze Nacht hindurch mit ihren schönsten Liedern. Am Morgen reckt sich die Rose erfrischt und voll neuer Kraft der Sonne entgegen, die Nachtigall aber sinkt tot zu Boden. Das Motiv von Rose und Nachtigall steht somit für die bedingungslose, aufopferungsvolle, auch den Tod in Kauf nehmende Liebe […..].“

Ziel dieser Ausstellung ist es, anhand ausgewählter Beispiele einen Einblick in die gestalterische und technologische Vielfalt der islamischen Lackmalerei sowie das handwerkliche Können und die künstlerische Gestaltungskraft ihrer Schöpfer zu geben. Dem heutigen Betrachter sollen Schönheit und Poesie, aber auch die unverkennbaren stilistischen Eigenarten dieser Arbeiten vermittelt werden.


 
  Impressionen der Sonderausstellung


 
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